Frauenskisprung — Eine neue Olympische Disziplin

Interview mit einem der Urväter dieser Disziplin Mag. Anton „Toni“ Innauer.

Aus der Zeitschrift
Sport Orthopädie Traumatolog
N°4/2013

DR. ERICH ALTENBURGER

Lieber Toni: Seit wann gibt es Frauenskisprung?

MAG. ANTON INNAUER

Erste Berichte gehen zurück bis 1897, als die Norwegerin Ragna Pettersen 12 Meter weit sprang, die Österreicherin Paula von Lamberg wird 1911 als Weltrekordhalterin mit 22m erwähnt. Mit Anita Wold, der Norwegischen Ikone aus den 70er Jahren bin ich selber noch in Oslo gesprungen. Ihr Weltrekord lag bei 97,5 m. Heute wird die Österreicherin Iraschko mit 200m in Bad Mitterndorf als Rekordhalterin geführt.

DR. ERICH ALTENBURGER

Seit wann gibt es Frauenskisprung bei Wettkämpfen?

MAG. ANTON INNAUER

Mädchen sprangen schon in den 80ern mit den Burschen in „offenen“ Wettkämpfen mit. 1995 wurde ein sehr schlecht organisierter Vorführbewerb bei der nordischen Ski-WM in Kanada abgehalten.

DR. ERICH ALTENBURGER

Wie hat sich dieser Sport in Österreich entwickelt?

MAG. ANTON INNAUER

Der ÖSV in Kooperation mit dem Skigymnasium Stams und der sehr engagierten Familie Ganster aus Kitzbühel (Eva Ganster Weltrekord 1997 mit 167m) waren Motoren der Entwicklung des Damenspringens.

DR. ERICH ALTENBURGER

Seit wann gibt es internationale Wettkämpfe?

MAG. ANTON INNAUER

Der Ladies-Grand-Prix wurde 1999 vom Internationalen Skiverband genehmigt. Vorerst für Sommerspringen, dann für den Winter. 2004 wurde die erste Continentalcupserie für Damen gestartet.

DR. ERICH ALTENBURGER

Seit wann gibt es den Weltcup? Wo und wie viele Bewerbe gibt es?

MAG. ANTON INNAUER

2010/11 gaben die Damen ihr Debut im Weltcup, die erste Siegerin kam aus den USA. Die blutjunge Sahra Hendrikson gewann vor Iraschko aus Österreich. 2012 wurden bereits 15 Bewerbe abgehalten und für 2013/14 sind 21 geplant.

DR. ERICH ALTENBURGER

Ab welchem Alter können Mädchen springen?

MAG. ANTON INNAUER

Sie beginnen wie die Buben mit 7-10 Jahren

DR. ERICH ALTENBURGER

Wo: In Schulen? (Stams, Saalfelden, Schladming, NAZ -Nordisches Ausbildungszentrum Eisenerz)

MAG. ANTON INNAUER

Zunächst bei den heimischen Vereinen. Stams etc. übernehmen erst nach dem Abschluss des Pflichtschulalters mit 14 od. 15 Jahren. Mit welchen Schanzen wird begonnen? Anfängerschanzen lassen Sprungweiten von 5 bis 15 Meter zu. Welche Anlauflänge? Anlauflänge wird an Können, Selbstvertrauen und Lernfortschritte flexibel angepasst. Gute Anfängerschanzen weisen geringere Anlaufneigungen auf. Ski-Ausrüstung wie Junioren? Prinzipiell ja. Die spezielle Adaption von Bindung, Skilänge und ggf. auch -Breite liegt im methodischen Ermessensbereich der Trainer.

DR. ERICH ALTENBURGER

Wie viele Mädchen/Frauen sind derzeit aktiv?

MAG. ANTON INNAUER

Beim Skispringen ist die mentale Einstiegshürde hoch und existiert nur als Leistungssport. Da hab ich keine Zahlen. Aber nachdem schon die Zahl der Herrenspringer (z. B. in Österreich vmtl. um die 600) überschaubar ist, werden es zw. 120 u. 150 sein.

DR. ERICH ALTENBURGER

Wie viele Nationen nehmen an den Bewerben teil?

MAG. ANTON INNAUER

15 Nationen haben 2013 Weltcuppunkte gemacht.

DR. ERICH ALTENBURGER

Der Teambewerb feiert bei der WM in Val di Femme 2013 sein Debüt- ein Erfolg?

MAG. ANTON INNAUER

Der Mixed-Teambewerb mit 2 Damen und 2 Herren/Nation tut der Szene gut. Ein spannender frischer Bewerb hat seine Feuertaufe bei den Sportlern, beim Publikum und den Medien mit Bravour bestanden. Er ist eine Bereicherung des Wettbewerbsprogramms und eine tolle Präsentationsplattform für den Damensprunglauf.

DR. ERICH ALTENBURGER

Liegt dir etwas besonders am Herzen was noch nicht erwähnt wurde?

MAG. ANTON INNAUER

Skispringen wird nicht ausschließlich von der Körperkraft dominiert, spezielle Beweglichkeit und Koordinationsgefühl sowie relatives Körpergewicht spielen eine wichtige Rolle. Daher können Frauen dort relativ nahe an die Leistungen von Männern herankommen.

DR. ERICH ALTENBURGER

Danke für das interessante Interview